Ab 2021-10-21: MARTIN EDEN


FSK: ab 6 Jahre
Genre: Drama
Dauer: 128 Minuten

Martin Eden (Luca Marinelli) ist verliebt. Der arme Fischer hat sich in die wohlhabende Elena Orsini (Jessica Cressy) verguckt. Er macht ihr den Hof, merkt aber, dass das nicht reicht, um ihr Herz und das ihrer Eltern zu erobern. Der ungebildete Draufgänger fängt an, sich selbst fortzubilden. Er liest jedes nur verfügbare Buch, beginnt, sich in bürgerlichen Zirkeln zu bewegen und sitzt zudem auch an seiner Schreibmaschine und beginnt, Kurzgeschichten zu schreiben. Martin will Schriftsteller werden. Doch der Erfolg bleibt dem engagierten Emporkömmling verwehrt … Pietro Marcellos Film basiert auf dem gleichnamigen Erfolgsroman von Jack London. Doch der italienische Regisseur, der für sein mysteriöses Spielfilmdebüt „Bella e Perduta“ gleich mehrfach in Locarno ausgezeichnet wurde, versetzt die Handlung nach Neapel zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein intelligenter Kniff, der plötzlich Martin Edens Aufstiegsgeschichte mit den dynamischen politischen Prozessen Europas konfrontiert. Der aufkommende Faschismus und Kommunismus dominieren die Debatten, die Martin Eden zu einem hartgesottenen Vertreter des radikalen Individualismus machen. Doch der Film begeistert vor allem durch seine Textur. Marcello erweist sich als wahrer Bilderkünstler. Er verwebt Archivmaterial und nachgestellte Szenen zu einem dichten und atmosphärischen Teppich, der Neapel so haptisch werden lässt, wie es bislang vor allem Elena Ferrante mit ihren Romanen gelang. Elegant, ohne melodramatisch zu sein, zärtlich, ohne in Kitsch zu verfallen und vor allem politisch, ohne platte Agitation zu sein – „Martin Eden“ ist intelligentes, erwachsenes Kino, das man viel zu selten zu sehen bekommt.